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Hochzeitsfotografie mit einer Leica – geht das denn?

Seit vielen Jahren begleite ich Auftragsshootings mit meiner Spiegelreflex Ausrüstung. Ich habe diese technische Plattform lieb gewonnen: performant, verlässlich, sehr gute Sensorleistungen und ausdauernder Akku. In meinem privaten Umfeld habe ich über die letzten 2 Jahre jedoch ausschließlich auf meine digitale Leica M gebaut. Die kompakte Bauform und das überschaubare Gewicht sind Vorteile die nicht von der Hand zu weisen sind. Vergessen die Zeiten als ich früher mit meiner Canon 5D und der Panzerfaust 70-200mm 2.8 den Urlaub verbrachte.
Vor einiger Zeit stellte ich mir die Frage, ob ich die Leica nicht auch im Wedding Bereich einsetzen könnte. Spannende Fragestellung, die mich einige Zeit beschäftigte. Ich versuche mich mal an einer pro & contra Liste:

Was spricht dagegen?

  • kein Autofokus und somit bei jedem Foto der Aufwand manuell (per Schnittbild) zu fokussieren
  • ?
  • ?
  • Mist, das wars ja auch schon. Mehr fällt mir nicht ein.

Was spricht dafür?

  • Bildqualität in Verbindung mit den richtigen Objektiven über jeden Zweifel erhaben
  • mein 35mm 1.4 aus dem Hause Zeiss bezeichne ich mal als „rattenscharf“ (auch bei Offenblende)
  • der den Leica Systemen nachgesagte Leica Look der Fotos

Somit stand ich vor einem Dilemma. Die Abbildungsleistung ist (mindestens) einer guten Spiegelreflex ebenbürtig. Stellt sich nur die Frage, ob man sich  dem Thema manuellen Fokus während eines Shootings aussetzen möchte. Warum denn nicht einfach mal probieren dachte ich mir und habe im ersten Schritt für ein Henna & Weddingshooting die Kamera neben der Nikon eingesetzt. Ich entschied mich alle Weitwinkel Aufnahmen (wenn man den 35mm als Weitwinkel bezeichnen mag) mit der Leica zu machen und alle Tele Aufnahmen  (85mm Festbrennweite) mit meiner Nikon. Ein praktischer Vorteil in dem Zuge: ich erspare mir während des Shootings laufend den Objektivwechsel. Der Verzicht auf einen laufenden Objektivwechsel führte zu einem persönlichen Wow Effekt. Während des Shootings merkte ich schnell, dass es recht „erfrischend“ ist! Ja, natürlich hat man 2 Bodys mit sich zu tragen, aber ich brauche keine Objektivtasche mit mir tragen und kann mich rein auf das Fotografieren konzentrieren (keine ständigen Auszeiten und die Bitte an das Paar sich zu gedulden). Also großer Pluspunkt für diese hybride Variante mit 2 Systemen.

Die Herausforderung der manuellen Fokussierung bleibt jedoch, wenn man mit dem Messsucher System arbeitet (für die weniger fachkundigen Leser: bei einer Messsucherkamera ist kein Spiegel eingebaut, über den man indirekt wie z.B. bei SLRs durch das Objektiv schaut). Die aktuellen Kameragenerationen übertreffen sich von Model zu Model mit immer schnelleren Fokuszeiten. Warum gibt man denn dann (richtig) viel Geld aus für (nüchtern betrachtet) veraltete Hardware? Ich möchte dies auch nicht versuchen mit Argumenten zu erklären, denn ich glaube dann gelange ich schnell auf die argumentative Verliererstraße. Wenn man sich jedoch konstruktiv auf den Schnittbildfokus einlässt, hat man schnell den Dreh raus und ich behaupte mal, daß ich mittlerweile sehr (sehr) schnell  damit unterwegs bin.

Kommen wir zum persönlichen Fazit: Es funktioniert! Es funktioniert nicht nur, sondern das Fotografieren mit dem System macht richtig Spaß. Mag sein, daß es reine Kopfsache ist, aber die Leica scheint ein gewisses Gefühl von Fotografenzauber zu vermitteln. Es fühlt sich halt gut an 🙂 Man hält Technik in der Hand, welche die Geschichte der Fotografie geprägt hat und einen gewissen Mythos versprüht (man denke an die großen Fotografenpioniere der Magnum Generation: Henri Cartier-Bresson, Robert Capa,  Ara Güler, Elliot Erwitt und viele mehr). Ich habe für mich entschieden die M als Arbeitsgerät für professionelle Auftragsfotografie zu nutzen. Der hybride Weg mit der Nikon als „Telekamera“ erscheint für mich ein gute Plattform zu sein für kommende Shootings. Nicht zu vergessen bleibt aber einer der wichtigsten fotografischen Formeln: nicht die Kamera macht ein gutes Foto, sondern der Fotograf, egal mit welchem System. Ein schlechtes geschossenes Foto mit einer 100.000 € Hasselblad Kamera, bleibt ein schlechtes Foto.

 

Ein Rückblick auf das Shooting mit einer Bildauswahl der Leica Fotos

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